Auswirkungen auf die Besetzung von Revieren durch Uhu (Bubo bubo)
Eine Studie untersuchte, wie sich Bau und Betrieb von Windparks/Stromleitungen auf die Revierbesetzung von Uhus auswirken. Untersuchungsgebiet war Zentralnorwegen. Es wurden Uhu-Reviere vor Beginn von Bauarbeiten sowie nach Abschluss der Bauphase und während einer Betriebsphase von Windenergieanlagen untersucht. Dabei wurden 48 Uhu-Reviere betrachtet; zusätzlich wurden 70 Gebiete hinsichtlich eines möglichen Uhu-Vorkommens untersucht.
Das Ergebnis war eindeutig: Uhus in einer Entfernung von 4 bis 5 km zu Windpark- und Stromleitungsbaustellen gaben ihre Reviere deutlich häufiger auf, als Uhus in weiter entfernten Referenzgebieten. In den betroffenen Gebieten verringerte sich die Zahl der besetzten Reviere um 41 Prozent, während in den weiter entfernten Vergleichsgebieten nur ein Rückgang von 23 Prozent festgestellt wurde. Reviere, die aufgegeben wurden, lagen im Mittel signifikant näher an der Störquelle als Reviere, die weiterhin besetzt blieben.
Als mögliche Ursachen diskutierten die Autoren mehrere Faktoren. Dazu gehörten insbesondere die erhöhte Mortalität durch Kollisionen mit Windenergieanlagen und Stromleitungen, die Aufgabe bzw. Meidung von Revieren infolge von Lärm und menschlicher Aktivität während der Bauarbeiten sowie indirekte Auswirkungen auf die Nahrungsgrundlage (Nahrungsketten). Intensive Bautätigkeit verändert Lebensräume und verdrängt/reduziert gleichzeitig Beutetiere oder deren Vorkommen. Dadurch kann sich die Eignung eines Reviers für den Uhu oder andere Greifvögel verschlechtern.
Ein wichtiger Aspekt der Studie ist, dass nicht eindeutig zwischen den einzelnen Wirkfaktoren unterschieden werden kann. Die Bauphasen dauerten etwa zwei bis drei Jahre und waren damit wesentlich länger als die anschließend untersuchte kurze Betriebsphase der Windenergieanlagen. Deshalb lässt sich aus den Daten nicht exakt bestimmen, welcher Anteil der Revieraufgaben auf Bauarbeiten, Lärm, Windenergieanlagen, Stromleitungen oder andere Veränderungen zurückzuführen ist. Dennoch belegt die Studie einen Zusammenhang zwischen der anthropogenen Störung und der Aufgabe von Uhu-Revieren, weist aber nicht jedem einzelnen Faktor einen separaten kausalen Anteil zu.
Bedeutung für den Eulen- und Greifvogelschutz
Die Untersuchung zeigt, dass der Uhu gegenüber anthropogenen Störungen in bislang wenig belasteten Landschaften empfindlicher sein kann als häufig angenommen. Besonders relevant ist dabei, dass Auswirkungen nicht erst unmittelbar am Horst auftreten müssen. Die Ergebnisse weisen auf einen Wirkungsbereich von mehreren Kilometern hin.
Die Autoren folgern deshalb, dass die potenziellen Brutreviere von bekannten Uhu-Vorkommen und weiteren streng geschützten Greifvogelarten bereits bei der Planung von Windenergieanlagen, Stromleitungen und größeren Bauvorhaben berücksichtigt werden müssen. Untersuchungen sollten nicht nur das unmittelbare Umfeld eines Horstes erfassen, sondern auch die möglichen Auswirkungen auf das gesamte Revier und dessen Lebensraum insbesondere der teils komplexen Nahrungsketten berücksichtigen. Gleichzeitig wird betont, dass umfassende weiterführende Untersuchungen notwendig sind, um die tatsächliche Wirkdistanz für die unterschiedliche Störfaktoren genauer zu bestimmen.
Zusammenfassend gesagt liefert die Studie einen deutlichen Hinweis darauf, dass Windpark- und Stromleitungsbau nicht nur durch direkte Kollisionsrisiken für Eulen und Greifvögel (oder andere Wildvögel, Fledermäuse) problematisch sein können. Lärm, Bautätigkeit, menschliche Präsenz, Lebensraumveränderungen sowie mögliche Beuteverluste durch gravierende Veränderungen der Nahrungsketten können dazu führen, dass Eulen und Greife ihre angestammten Reviere aufgeben. Besonders bemerkenswert ist der in dieser Untersuchung festgestellte Zusammenhang über eine Entfernung von bis zu etwa 4 bis 5 km.
Insgesamt ist die Beeinflussung von Windenergieanlagen und Stromleitungen sowie insbesondere die damit verbundenen Störungen durch Bautätigkeiten (auch Instandsetzungsarbeiten) hoch und wird durch die inzwischen umfangreichere Forschung zu weiteren Greifvogelarten grundsätzlich gestützt. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit, die 216 Studien zu Windenergie und Greifvögeln ausgewertet hat, kommt zu dem Schluss, dass Eulen und Greifvögel insgesamt Meideverhalten zeigen und die Nutzung von Brutrevieren / -habitaten rund um Windparkflächen reduzieren.
Quellen: Husby, M. & Pearson, M. (2022): Wind Farms and Power Lines Have Negative Effects on Territory Occupancy in Eurasian Eagle Owls (Bubo bubo). Animals 12(9), 1089. DOI: 10.3390/ani12091089.