Wenn Hilfe selbstverständlich sein soll, aber Helfende selbst keine Hilfe bekommen.

Es gibt Momente, in denen ich mich frage, warum Menschen, die sich mit Herzblut, Fachwissen und unermüdlichem Einsatz für das Leben unserer Wildtiere engagieren, sich immer wieder rechtfertigen müssen.

Warum wird fachliche Kompetenz ehrenamtlicher Wildtierretter so oft angezweifelt?

Warum wird ihre Arbeit schlechtgeredet, kritisiert oder beurteilt, ohne die tatsächlichen Umstände zu kennen?

Und warum scheint für manche selbstverständlich zu sein, dass Wildtierretter rund um die Uhr erreichbar sein müssen – an Wochenenden, Feiertagen, mitten in der Nacht und selbst dann, wenn wir längst an unsere eigenen Grenzen gekommen sind?

Hinter jedem Engagement stehen Menschen. Menschen, die dann Verantwortung übernehmen und  Entscheidungen treffen wo andere längst weggeschaut haben. „Das ist Natur. das regelt sich schon.“

Leid sehen und den Schmerz erleben müssen, ein Tier nicht retten zu können bringt Wildtierretter oft an physische und psychische Grenzen. Menschen, die ihre Freizeit, ihre Kraft, ihre jahrelange Erfahrung und ihr eigenes Geld einsetzen, damit ein verletzter Greifvogel, eine hilflose Eule oder ein anderes Wildtier überhaupt noch eine Chance bekommt.

 

Wir helfen, weil uns das Leben dieser Tiere nicht gleichgültig ist. Nicht, weil wir dafür bezahlt werden.

Auch meine Arbeit in der behördlich anerkannten Pflegestation für Greifvögel und Eulen bedeutet weit mehr, als die reine Aufnahme und Versorgung von Tieren. Bei Engpässen werden auch andere Vögel vorrübergehend aufgenommen und erstversorgt. Die Arbeit bedeutet fachliche Verantwortung, kontinuierliche Weiterbildung, Dokumentation, Aufklärung, intensive Pflege und Entscheidungen, die nicht immer einfach sind. Arztkosten, Medikamente, artgerechtes Futter, Fahrtkosten, Hilfsmittel und vieles mehr müssen finanziert werden. Die notwendige Zeit lässt sich ohnehin nicht in Geld aufwiegen.

Und während die Anforderungen auf Grund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und Gesetzesvorgaben steigen, fehlen vielerorts verlässliche finanzielle Mittel, vor allem öffentliche Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung. Stattdessen müssen sich diejenigen, die diese Systemlücken auffangen, auch noch gegen unbegründete Zweifel und abwertende Kommentare behaupten (außen vor müssen „Schwarze Schafe“ bleiben, die die Bemühungen aller anderen in Verruf bringen).

Natürlich darf und muss fachliche Arbeit kritisch hinterfragt werden. Tierschutz braucht Verantwortung, Sachkenntnis und transparente Standards. Aber sachliche Kritik ist etwas anderes als pauschale Abwertung, Häme und Hetze. Wer Kompetenz beurteilen möchte, sollte sich mit Qualifikation, Erfahrung und tatsächlicher Arbeit auseinandersetzen – und nicht allein damit, ob jemand ehrenamtlich tätig ist.

Was mich persönlich traurig macht, ist nicht die Tatsache, dass wir manchmal an unsere Grenzen kommen. Das gehört zu dieser Arbeit. Es ist vielmehr die fordernde  Selbstverständlichkeit, mit der unser Einsatz 24/7 erwartet und vorausgesetzt wird, während die Menschen dahinter oft unsichtbar bleiben.

Wir können nicht jede Lücke schließen. Wir können nicht jedes Tier retten. Und wir können auf Dauer nicht alles allein tragen.

 

Ehrenamt bedeutet nicht, dass unsere Arbeit weniger wert ist. Es bedeutet auch nicht, dass unsere Zeit unbegrenzt, unsere Kräfte unerschöpflich oder unsere finanziellen Möglichkeiten selbstverständlich sind.

Ich wünsche mir – auch für alle anderen Wildtierretter – mehr Respekt für diejenigen, die helfen, ohne nach dem eigenen Vorteil zu fragen. Mehr Verständnis für die Belastungen, die diese Arbeit mit sich bringt. Mehr Unterstützung, bevor die Menschen aufgeben, die sich jahrelang für den Schutz unserer heimischen Wildtiere eingesetzt haben.

Denn wenn wir irgendwann nicht mehr können, ist nicht nur ein Ehrenamt verloren. Dann fehlt auch Umweltbildung, Aufklärung und eine regionale Anlaufstelle für die Tiere, die keine eigene Stimme haben und auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Und genau das sollte uns allen zu denken geben. ❤️

 

Bitte schaut nicht nur auf die geretteten Tiere. Schaut auch auf die Menschen, die hinter jeder Rettung stehen.

 

 

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